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Warum wir nicht mehr über Öko-Tex® sprechen



Wie bei zahlreichen anderen Produkten gilt auch bei Akustikstoff, dass sich hinter Prüfsiegeln oft mehr verbirgt, als Endkunden auf den ersten Blick wahrnehmen und vermuten. Häufig mit dabei: Augenwischerei und Schönfärberei, sehr begrenzter tatsächlicher Nutzen und nicht unerhebliche Kosten für Hersteller und Verkäufer. Auch seriöse Zertifizierungen haben gelegentlch ihre Schattenseiten. Wir erkläre hier, warum wir uns von Oeko Tex® verabschiedet haben.


Schadstoffprüfungen für Textilien sind ein weites Feld. Das kommt nicht von ungefähr. Die gesundheitlichen Risiken durch unterschiedlichste Substanzen, die in Textilien vorkommen können, sind real. Dazu zählen Schwermetalle, Pestizide, Formaldehyd oder Rückstände aus chemischen Behandlungsprozessen.
Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen. Denn nicht jedes Prüfsiegel sagt tatsächlich das aus, was man auf den ersten Blick vermuten könnte, und die meisten Zertifikate verursachen obendrein immense Kosten, die am Ende das Produkt verteuern. Ein Beispiel ist der Oeko-Tex® Standard 100, auf den auch wir in der Vergangenheit verwiesen haben. Heute tun wir das bewusst nicht mehr. Warum das so ist, möchten wir hier transparent erklären.
 

Das Versprechen hinter dem Siegel

Der Oeko-Tex® Standard 100 gehört zu den bekanntesten Textilsiegeln überhaupt. Unter dem Leitgedanken „Textiles Vertrauen“ vermittelt er vielen Menschen ein gutes Gefühl beim Kauf. Die Botschaft ist klar. Wer dieses Siegel sieht, geht davon aus, ein Produkt zu erwerben, das gesundheitlich unbedenklich ist und hohen ökologischen Ansprüchen gerecht wird. Die wenigsten Verbraucher beschäftigen sich jedoch im Detail mit den konkreten Prüfkriterien. Und selbst wenn sie es tun, fehlt häufig das Fachwissen, um Zahlen und Werte richtig einzuordnen. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf, was dieses Siegel tatsächlich leistet.
 

Was tatsächlich geprüft wird

Der Oeko-Tex® Standard 100 ist ein weltweit etabliertes Prüf- und Zertifizierungssystem. Dahinter steht ein Netzwerk aus unabhängigen Instituten, die Textilien auf eine Vielzahl potenziell gesundheitsschädlicher Stoffe untersuchen. Geprüft wird unter anderem auf verbotene Farbstoffe, allergieauslösende Substanzen, Formaldehyd, Pestizide, Schwermetalle und weitere kritische Inhaltsstoffe. Auch Parameter wie Farbechtheit oder der pH Wert spielen eine Rolle. Das Ergebnis ist klar und wichtig: Ein entsprechend zertifiziertes Produkt bietet die Sicherheit, dass es keine eindeutig gesundheitsschädlichen Stoffe enthält.
 

Der entscheidende blinde Fleck

So sinnvoll diese Prüfung ist, so deutlich wird bei genauerem Hinsehen auch ihre Grenze. Denn der Oeko-Tex® Standard 100 betrachtet ausschließlich das fertige Produkt. Die Bedingungen, unter denen die Materialien gewonnen und verarbeitet werden, bleiben weitgehend außen vor. Das hat Konsequenzen. Ein Textil kann dieses Label tragen, obwohl entlang seiner Produktionskette erhebliche ökologische Belastungen entstehen, etwa intensiver Pestizideinsatz beim Baumwollanbau, Belastungen von Böden und Gewässern oder Emissionen in die Luft. Auch soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen oder Entlohnung werden nicht berücksichtigt.
Bei genauerem Hinsehen zahlt der Oeko-Tex® Standard 100 also eher auf Produktsicherheit ein als auf das Thema Ökologie. Nicht allein Greenpeace kritisiert daher den begrenzten ökologischen Nutzen des Labels. Der Begriff „Öko“ im Namen führt hier leicht zu falschen Erwartungen. Doch ist allein dies Grund genug, das Label für hochwertigen Akustikstoff nicht zu verwenden, wenn man doch könnte?
 

Mehr Nachhaltigkeit gibt es nur im Paket

Weitergehende Sicherheit und Verlässlichkeit hinsichtlich einer nachhaltigeren und faireren Herstellung von Textilien bieten erst weitere Oeko-Tex®-Prüfungen und Zertifikate wie „STeP“, „Made in Green“, „Eco Passport“ und „Responsible Business“. Allerdings greifen diese Zertifikate ineinander: So wird das Zertifikat „Made in Green“ für Textilien ausgestellt, die zunächst nach Standard 100 auf Schadstoffe geprüft und zertifiziert sind und obendrein in umweltfreundlichen und sozial verantwortlichen Betrieben produziert werden.
Kurzum: um per Zertifikat zu belegen, dass ein Textil weitgehend schadstofffrei und darüber zu ökologisch und sozial halbwegs vertretbaren Bedingungen hergestellt wurde, braucht es mindestens zwei Oeko-Tex® Zertifikate. Und wie immer im Zertifizierungsbusiness ist das mit jeder Menge Arbeitsaufwand und Kosten verbunden. Gerade für kleinere Unternehmen ist das kaum zu stemmen, weil sie für all die Lizenzgebühren, Unternehmensaudits, Labor- Verwaltungs- und Materialprüfungen sowie Dokumentationsprozesse weder die Manpower noch die finanziellen Mittel haben.
 

Eine neue Regelung und ihre Folgen

Eine entscheidende und für Anbieter teure Wende nahm Oeko-Tex® nun in diesem Jahr mit der Neuregelung der „Akzeptanz von Basiszertifikaten“ vor: Künftig werden nur noch Zertifikate direkter Lieferanten anerkannt. Zertifikate entlang der Produktionskette reichen nicht mehr aus. Selbst wenn alle beteiligten Produktionspartner bereits zertifiziert sind, muss das Endprodukt also erneut geprüft werden.
Für uns bei Akustikstoff.com würde das konkret bedeuten, dass wir unsere Stoffe zusätzlich zertifizieren lassen müssten. Der finanzielle Aufwand liegt dabei im höheren vierstelligen Bereich, der praktische Nutzen für unsere Kunden bleibt jedoch gleich null. Denn an der tatsächlichen Qualität und Schadstofffreiheit der Produkte ändert sich nichts.
 

Unsere Entscheidung

Unser Akustikstoff wird weiterhin mitten in Europa – in Deutschland und Österreich – unter Beachtung höchster Standards gefertigt. Unsere Partner erfüllen die entsprechenden Anforderungen und arbeiten nach den geltenden Vorgaben.
Die Schadstofffreiheit unserer Lautsprecherstoffe steht also nicht zur Debatte. Was sich geändert hat, ist unser Umgang mit dem Thema. Wir haben uns entschieden, auf das Label zu verzichten. Nicht aus Ablehnung, sondern aus Überzeugung. Nicht, weil sich an der Qualität unserer Produkte etwas geändert hätte. Sondern weil das Label in seiner aktuellen Form in unserem konkreten Fall zwar Kosten verursacht, aber keinen zusätzlichen Nutzen schafft und dir am Ende nicht weiterhilft.
 

Vertrauen entsteht anders

Wir sind überzeugt davon, dass Vertrauen vor allem durch nachvollziehbare Informationen, messbare Eigenschaften und transparente Kommunikation entsteht – einschließlich der Bereitschaft, auch unbequeme Dinge klar zu benennen. Genau diesen Anspruch setzen wir auch beim Umgang mit Zertifizierungen um.