Beratung: 06209-712792
Schneller Direktversand

Akustikstoff und Normen: Akustische Performance



Welche Normen und Zertifikate geben Auskunft über die Qualität und praktische Verwendbarkeit und die Qualität eines Lautsprecherstoffs? Unsere Blog-Reihe "Akustikstoff und Normen" liefert dir Schritt für Schritt einen vollständigen Überblick über die wichtigsten Normen, ihre praktische Relevanz und die entscheidenden Messgrößen für diese technischen Textilen. Los geht's mit dem alles entscheidenden Thema Schalltransparenz.

 

Wie misst man die akustische Performance von Lautsprecherstoff?

Die Vielzahl der technischen Normen, die im Zusammenhang mit Akustik eine Rolle spielen können und oft ahnungslos zitiert werden, ist einer der größten Stolpersteine bei der ernsthaften Bewertung von Akustikstoff und Lautsprecherstoff. Die überwiegende Mehrzahl dieser Standards beziehen sich nämlich aus historischen Gründen (viele der Normen stammen aus dem Bauakustik) auf Schallabsorption. Sie sind daher nur äußert bedingt auf akustisch transparente Textilien anwendbar.
 

 

Leider daneben gezielt: Normen rund um Schallabsorption

Das klassische Beispiel ist die EN ISO 105342. Diese Norm beschreibt, wie der Schallabsorptionsgrad eines Materials in einer Impedanzröhre gemessen wird. Dabei wird die Fähigkeit eines Materials ermittelt, Schallenergie in Wärme umzuwandeln und auf diese Weise schalldämmend zu wirken. Eine äußerst sinnvolle und praktische Norm für die Beurteilung schallabsorbierender Werkstoffe wie Akustikschaum, schwere Wandbespannungen oder Raumabsorber, aber erschreckend sinnlos bei der Betrachtung akustisch transparenter Materialien. 

Akustikstoff soll schließlich genau das Gegenteil eines Dämmstoffs leisten; er soll Schall möglichst unverändert durchlassen, also möglichst nicht absorbieren. Der gemessene Absorptionskoeffizient α, das Maß dafür, wie viel Schall ein Material aufnimmt, wird also naturgemäß äußerst gering ausfallen. Ein Messwert nach EN-ISO 105342 kann dir also theoretisch sagen, dass der Stoff wie zu erwarten sehr wenig Schall absorbiert, ist aber praktisch irrelevant, denn er verrät dir nichts über das Frequenzverhalten des Textils, wenn du beurteilen willst, wie gut der Stoff als Lautsprecherabdeckung geeignet ist.

Ähnlich wenig aussagekräftig sind Werte wie Rw (weighted sound reduction index), womit beschreiben wird, wie gut ein Material Schall zwischen zwei Räumen dämmt, oder DnT,w, ein Index, der über die Raumakustik und Nachhallzeit normalisiert wird, um reale Einsatzbedingungen von Absorptionsmaterialien besser zu modellieren. All diese Werte können bestenfalls als Zusatzinformation dienen, um zu bestätigen, dass ein Stoff sehr wenig Schall aufnimmt. Das ist aber für akustisch transparente Stoffe nun mal Pflicht und nicht Kür. 
 

Welche Indikatoren gibt es für Schalldurchlässigkeit 

Viel interessanter sind demnach Messgrößen, die auf die Durchlässigkeit für Schall schließen lassen und das Maß der Frequenzgangneutralität charakterisieren. Dazu gehören:

Luftdurchlässigkeit nach ISO 9237: Messwerte nach dieser Norm beschreiben, wie viel Luft durch ein Stoffmuster fließt, gemessen in Litern per Quadratmeter und Sekunde. Sie liefern damit einen sehr guten indirekten Indikator für die Schalltransparenz. Da Schall durch Luft übertragen wird, korreliert Luftdurchlässigkeit stark mit akustischer Transparenz. Je höher der Luftstrom bei gegebenem Druck von 1 bar, desto geringer ist der akustische Widerstand. Die hochwertigen Lautsprecherstoffe von Akustikstoff.com erreichen Luftdurchlässigkeitswerte von weit über 8.000 l/m2/sec. Das bedeutet: Frequenzgang und Klangfarbe bleiben unverändert erhalten. 

Transmission Loss: Hier geht es um den Schalldurchlassverlust, also wie viel Schallenergie beim Durchgang durch ein Material verloren geht. Eine relevanter Ansatz wäre beispielsweise die ASTM E261109-Methodik, bei der die „normal incidence sound transmission“ von Materialien anhand einer Transfermatrix bestimmt wird, kurz: wie viel Schallenergie beim Durchtritt direkt „verloren“ geht. Klingt nicht nur kompliziert, sonden ist tatsächlich ein komplexes Vergnügen für Technik-Nerds.

Zum Glück können die Durchgansverluste eines Stoffs auch viel einfacher ermittelt werden, indem in einem standardisierten Versuchsaufbau gemessen wird, wie sich Schalldruck und Frequenzkurve eines sogenannten Sweep-Signals über das Frequenzband hinweg im Gegensatz zur Messung ohne Stoff verändern. Ein gebräuchliches Verfahren ist die Messung des Schalldruckpegels (SPL – Sound Pressure Level) in Dezibel (dB), also dB SPL. Als Ergebnis erhält man eine präzise Kurve, die die Schalldruckveränderungen im gesamten Frequenzspektrum abbildet.

Für die Bespannstoffe von Akustikstoff.com hat der international renommierte Akustikexperte und Studiobauer Dennis Busch (Acoustic Spaces) entsprechende Messungen vorgenommen. Diese sind für dich bei allen Stoffen in der Beschreibung der Produkteigenschaften unter dem Punkt „Akustische Messungen“ einsehbar. 


Soweit der erste Teil unserer Blog-Reihe rund um den Normendschungel für Lautsprecherstoffe. Im nächsten Beitrag beschäftigen wir uns mit der spannenden Frage, welche Prüfparameter und Normen Aussagen über die Verarbeitungsfähigkeit eines Stoffs in der Praxis ermöglichen.