Akustikstoff und Normen: Verarbeitungsfähigkeit
Welche Normen und Zertifikate geben Auskunft über die Qualität und praktische Verwendbarkeit und die Qualität eines Lautsprecherstoffs? Der zweite Teil unserer Blog-Reihe "Akustikstoff und Normen" bietet dir einen Überblick über diejenigen Messgrößen, die eine ernsthafte Einschätzung hinsichtlich der Verarbeitungsfähigkeit von Akustikstoff ermöglichen.Welche sinnvollen Prüfparameter und Normen gibt es rund um die Verarbeitungsfähigkeit?
Keine Frage, ein Akustikstoff muss nicht nur hinsichtlich der Schalltransparenz höchste Ansprüche erfüllen. Er soll vor allem auch dafür sorgen, dass Boxenfronten, akustisch wirksame Wandverkleidungen und Deckensegel oder auch AV-Möbel so ansprechend wie möglich aussehen und überdies die dahinter verborgene Technik ausreichend vor Staub, Partikeln und Berührung schützen. Das kann der Stoff nur leisten, wenn er ausgezeichnet zu verarbeiten und ausreichend haltbar ist.
Spannendes Thema: Akustikstoff und Elastizität
Die Elastizität, also Dehnbarkeit, spielt für unsere Anwendungszwecke eine besonders wichtige Rolle. Je elastischer ein Stoff ist, desto besser lässt er sich mit weder zu viel noch zu wenig Vorspannung montieren, beispielsweise auf einem Rahmen. Hier haben Single Jersey-Stoffe einen deutlichen Vorteil vor gewebten oder gar geflochtenen Produkten, wie man sie häufig auf den Fronten alter Röhrenradios und einigen Vintage-Lautsprecherboxen entdecken kann. Heute finden sich entsprechende Bespannmaterialien daher nur noch in sehr speziellen Anwendungsbereichen, beispielsweise auf den Fronten vieler Röhren-Comboverstärker für Instrumente – wobei die Frage erlaubt sein muss, ob hier nicht die in der entsprechenden Szene gemeinhin sehr konservativen ästhetischen Vorstellungen eine wichtigere Rolle spielen als pragmatische Erwägungen. Wer einmal versucht hat, solche starren Gewebe zu montieren, kann ein Lied von deren in vielfacher Hinsicht unbefriedigender Verarbeitungsfähigkeit singen.
Gewebten Stoffen lässt sich durch eine Beimengung von gummiähnlichen Elastanfasern eine gewisse Elastizität zu verleihen, wie dies zum Beispiel häufig bei modernen Jeans-Stoffen gemacht wird: Ein klassischer Denim ist super-haltbar, aber leider nahezu völlig undehnbar. Eine hautenge Jeans ist ohne Beimengung von Elastan also nicht zu realisieren. Das geht allerdings auf Kosten von Stabilität und Haltbarkeit, denn der Nachteil von Elastan besteht darin, dass dieses Material im Laufe der Zeit ausleiert. Wir alle kennen die knackige Jeans, die sich zunehmend in eine nur noch wenig robuste Schlabberhose verwandelt. Schon aus diesem Grund ist jegliches Mischgewebe mit Elastan-Beimengung als Akustikstoff wenig geeignet. Wer möchte schon Lautsprecherfronten, deren Stoffbespannung nach einigen Jahren immer mehr durchhängt?
Die Lösung besteht also in einem Single Jersey, denn ähnlich wie ein Strickpullover werden hier stabile Garne zu einem in sich elastischen Stoff, der sich ganz ohne Beimengung weiterer Materialien in der Länge gut, in der Breite sogar noch besser dehnen lässt. Welche Vorteile der Verzicht auf Materialgemische bringt, erläutern wir in einem Beitrag rund um die Recyclingfähigkeit von Akustikstoff.
Die Elastizität wird in Prozent angegeben und beschreibt, wie weit sich ein Stoff vom Ausgangsmaß aus dehnen lässt und wieder in die ursprüngliche Form zurückkehrt. Die Elastizität des Standard-Stoffs von Akustikstoff.com liegt in der Länge bei 32 %, in der Breite sogar bei 62 %. Das bedeutet in der Praxis, dass die Stoffbahn bei der Montage in einem überaus weiten Bereich gedehnt werden kann. So lässt sich der Lautsprecherstoff hervorragend mit ausreichender Spannung befestigen und um Ecken und Kanten ziehen, ohne dabei hässliche Falten oder Wülste zu schlagen.
Wann reißt Akustikstoff?
Berstfestigkeit ist ein weiteres zentrales Kriterium für die Beurteilung der Verarbeitungsfähigkeit und vor allem für die Stabilität eines Stoffs. Der in Kilopascal (kPa) gemessene Wert gibt an, welchem maximalen Druck ein Material standhält, bevor es reißt oder aufplatzt. Diese Kennzahl ist entscheidend für die Beurteilung der Haltbarkeit, vor allem bei Textilien, die im Gebrauch hohen Belastungen ausgesetzt sind.
Zur Bestimmung der Berstfestigkeit kommen unterschiedliche Prüfverfahren zum Einsatz. Sie simulieren realistische Beanspruchungen, indem der Stoff schrittweise steigendem Druck ausgesetzt wird. Der Druck erhöht sich so lange, bis der Bruchpunkt erreicht ist. Auf diese Weise lässt sich die Belastungsgrenze exakt ermitteln, was eine fundierte Bewertung der Festigkeit unter praxisnahen Bedingungen erlaubt.
Die ISO 13938 beschreibt verbindlich mehrere standardisierte Methoden für die Durchführung dieser Prüfungen, die fester Bestandteil der Qualitätssicherung in der Textilproduktion sind. Eine dieser Methoden ist der pneumatische Test. Bei diesem besonders für leichte und elastische Gewebe geeigneten Verfahren wird der Stoff mit Luftdruck gedehnt, bis das Material versagt. Die erreichbaren Werte unterscheiden sich je nach Material deutlich. Leichte Stoffe wie Sommerbekleidung, Unterwäsche oder feiner Jersey reißen meist bei zwischen 100 und 300 kPa. Mittelschwere Qualitäten für T-Shirts und Pullover erreichen häufig 300 bis 600 kPa, robuste Textilien wie Denim, Jacken oder Arbeitshosen liegen bei 500 bis über 1000 kPa. Die Stoffe von Akustikstoff.com erzielen Werte von mehr als 500 kPa – eine bemerkenswerte Berstfestigkeit für einen dünnen Jersey-Stoff.
Soweit Teil 2 unserer Blog-Reihe rund um Normen und Prüfverfahren, die Auskunft über die Qualität und die Eignung technischer Textilien für Lautsprecher geben. Im nächten Beitrag geht es um die Schutzwirkung von Akustikstoff.
