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Akustikstoff und Normen: Physik und Chemie



Wer sich intensiver mit Normen und Standards rund um Akustikstoff beschäftigt, landet zunächst zwangsläufig bei den großen Themen: akustische Transparenz, Klangneutralität, Luftdurchlässigkeit, möglicherweise Schutz vor mechanischen Einwirkungen oder vor Spritzwasser sowie zumindest bei Anwendungen im öffentlichen Raum auch Brandschutz. Daneben existiert jedoch eine ganze Reihe weiterer Normen und Parameter, die auf den ersten Blick nebensächlich wirken mögen, aber dennoch wichtige Informationen über die Eignung und Qualität eines Lautsprecherstoffs vermitteln können.


Farbechtheit, Waschbeständigkeit, Pilling oder Dimensionsstabilität – all das klingt zunächst eher nach klassischen Bekleidungstextilien oder Polsterstoffen als nach Lautsprecherbau, akustischem Deckensegel, Heimkino oder Studioeinrichtung. Dennoch entscheiden solche Eigenschaften in der Praxis maßgeblich mit, ob ein Akustikstoff auch nach einigen Jahren noch wie neu aussieht oder schon frühzeitig Alterungserscheinungen zeigt.

Denn Lautsprecherstoff muss im Alltag deutlich mehr leisten als lediglich Schall ungehindert durchzulassen: Er soll dauerhaft sauber gespannt bleiben und nicht ausleiern, sich gut verarbeiten lassen, nicht ausbleichen, nicht fusseln, und möglichst unempfindlich gegenüber allen möglichen alltäglichen Belastungen sein.
 

Warum physikalische und chemische Prüfungen überhaupt relevant sind

Die etablierten Textilnormen zielen vor allem auf Stoffe für die Bekleidungsindustrie und für den Möbelbau. In diesen Anwendungsfeldern ist es entscheidend, wie ein Stoff beispielsweise auf Waschen, Feuchtigkeit, Reibung oder Sonnenlicht reagiert. Letztlich gelten entsprechende Anforderungen aber auch für technische Textilien wie Lautsprecherstoffe. Lediglich die Gewichtung mag eine andere sein und einzelne Kriterien sind sogar wichtiger als bei einem Bekleidungsstoff. Denn auch ein Boxenstoff wird gespannt und damit über Jahre hinweg mechanisch belastet, berührt, dem Tageslicht ausgesetzt und vielleicht sogar gereinigt – und er soll eben selbst nach langer Zeit noch sauber und ansehnlich aussehen, gerade auf hochwertigen Lautsprechern, in der Innenraumgestaltung oder im Studioausbau.

Es lohnt sich daher durchaus, einen prüfenden Blick auf die relevanten Normen und Prüfergebnisse zu werfen. Ebenso ist eine gesunde Skepsis angebracht, wenn ein Anbieter für seine Produkte lediglich Angaben zur akustischen Qualität liefert, aber keinerlei Indikatoren angibt, die Rückschlüsse auf Langzeitstabilität, Alltagstauglichkeit und Schadstoffe ermöglichen.
 

Farbechtheit beim Waschen und bei Kontakt mit Wasser

Ein bei Akustikstoffen häufig nahezu unbeachtetes Kriterium ist die sogenannte Farbechtheit, also die Frage, wie stabil die Farbe eines Stoffs unter dem Einfuss verschiedener Flüssigkeiten wie Wasser, Waschlauge oder auch Körperschweiß bleibt. Rund um diese Fragestellung existieren zahlreiche standardisierte Prüfverfahren.
Die klassische Waschbeständigkeit wird beispielsweise gemäß DIN 54014 beziehungsweise deren moderne Nachfolgestandards innerhalb der ISO 105-Reihe untersucht. Dabei wird geprüft, wie stark sich Farbe und Material unter definierten Waschbedingungen verändern. Unser Standard-Akustikstoff erreicht hier Werte von 4 bis 5 – ein sehr gutes Ergebnis, denn die Skala reicht üblicherweise von 1 bis 5, wobei höhere Werte für geringere Farbveränderungen und geringeres Ausbluten stehen.

Ähnliches gilt für die Farbechtheit gegen Wasser nach EN ISO 105 E01. Hier wird untersucht, wie sich ein Textil unter längerer Feuchtigkeitseinwirkung verhält. Das Norm beschreibt ein Prüfverfahren mit standardisierter Wasserlagerung unter Druckbedingungen mit anschließender Bewertung von Farbveränderungen oder Abfärbungen. Auch hier erreicht unser Stoff Werte von 4 bis 5 sowie 4 beim sogenannten Bleeding, also dem Ausbluten von überschüssiger Farbe beim Waschen.

 Auch, wenn man man die Mehrzahl unserer Stoffe (die Ausnahme ist der flammhemmende FR- Stoff) bei Befestigung mit Klebeband tatsächlich einfach abnehmen und waschen kann, wird vermutlich kaum jemand seine Lautsprecherbespannung alle vier Wochen in die Waschmaschine geben. Trotzdem sind die Prüfergebnisse keineswegs nebensächlich. Sie geben nämlich recht zuverlässig Auskunft darüber, wie stabil die Färbung grundsätzlich im Material fixiert ist: Stoffe mit geringen Waschbeständigkeitswerten neigen im Alltag meist auch jenseits der Waschmaschine schneller zum Ausbleichen und zu Farbwanderungen.
 

Reibechtheit und Pilling

Ein Lautsprecherstoff wird selten völlig in Ruhe gelassen. Er wird beim Montieren gespannt, beim Reinigen berührt oder streift beim Transport an Kanten entlang. Gerade im Bereich von Lautsprecherfronten und AV Möbeln kommt es allein durch nahes Vorbeigehen in den meisten Anwendungsfällen regelmäßig zu mechanischem Kontakt.
 Was dabei geschieht (oder besser nicht geschieht), wird durch eine Prüfung der Reibechtheit nach DIN 54021 untersucht. Die Norm beschreibt Prüfverfahren, mit denen standardisiert beurteilt wird, wie stark ein Stoff unter Reibung zum Abfärben neigt. Gemessen wird die sowohl trocken als auch feucht. Unser Standard-Akustikstoff erreicht hier Werte zwischen 4 und 5 bei hellen Farbtönen sowie stabile 4 bei mittleren und dunklen Farben. Das hat ganz konkrete Bedeutung für den Alltag, denn Stoffe mit geringer Reibechtheit zeigen häufig schon nach kurzer Zeit blanke Stellen oder geben Farbpigmente an andere Materialien ab. Gerade dunkle Stoffe wirken dann schnell fleckig oder ungleichmäßig.

Eine weitere typische Folge von Berührung und Reibung ist das sogenannte Pilling – ein häufiges Problem vieler günstiger Stoffe, das jeder von uns im Alltag sicher schon einmal erlebt hat: Oft schon nach kurzer Zeit bilden sich an der Oberfläche unansehnliche Faserknötchen, die das Textil alt und minderwertig wirken lassen.
Geprüft wird die Neigung zum Pilling mit dem Martindale Verfahren, bei dem Textilien unter kontrollierter Reibung belastet werden. Unser Standard Akustikstoff erreicht in diesem Test Werte von 4 bis 5, er zeigt also eine sehr geringe Neigung zur Knötchenbildung. In der Praxis ist dies vor allem bei größeren Bespannflächen relevant, etwa bei AV-Möblfronten, bei der Wandbespannung für Heimkinos und Studios und selbstverständlich auch bei größeren Boxen. Selbst kleine Veränderungen der Oberfläche werden in solchen Anwendungen sofort deutlich sichtbar und stören ein ebenmäßiges Erscheinungsbild.

Kaum standardisiert zu erfassen und im Rahmen einer Norm zu beschreiben sind selbstverständlich grobe mechanische Einwirkungen, die durch zwei- und vierbeinige Mitbewohner in einem Haushalt verursacht werden und denen nahezu kein faserbasiertes Material gewachsen ist. Neugierige Kinderhände oder Katzenpfoten können den schnellen Tod eines jeden Lautsprecherstoffs bedeuten. Hier helfen nur kluge konstruktive Maßnahmen, beispielsweise den unteren Meter einer Wand nicht mit Stoff zu verkleiden und Lautsprecher ausreichend hoch zu positionieren.
 

Formstabilität und Spannungsverhalten

Ein Lautsprecherstoff muss sich gut spannen lassen. Gleichzeitig darf er später nicht dauerhaft ausleiern oder schrumpfen. Hier weisen unsere elastischen Jersey-Stoffe aus reinem Polyestergarn erheblich Vorteile gegenüber anderen gewebten oder gewirkten Textilien sowie starren Geweben oder elastanhaltigen Mischstoffen auf.
Das haben wir in Teil 2 dieser Blog-Reihe bereits ausführlich besprochen, daher hier nur eine Kurfassung: Lautsprecherstoff von akustikstoff.com weist bei einer Belastung von 30 Newton eine Dehnbarkeit von 32 Prozent in Längsrichtung und sogar 62 Prozent in der Breite auf. Dadurch lässt sich der Stoff hervorragend faltenfrei montieren und sauber um Kanten oder Rahmen ziehen. Auch hinsichtlich der Dimensionsstabilität nach der Reinigung überzeugt der Stoff: Die gemessene Maßänderung liegt bei lediglich minus 2 Prozent in Länge und Breite. Das ist für ein elastisches Textil ein sehr kontrolliertes Verhalten. In der Praxis bedeutet das: Der Stoff ist leicht zu verarbeiten, bleibt dauerhaft gleichmäßig gespannt und neigt kaum zu Wellenbildung oder Durchhängen.
 

UV-Beständigkeit

Die Norm EN ISO 105 B02 beschreibt ein Verfahren zur Prüfung der Farbechtheit gegenüber künstlichem Licht, meist unter Verwendung von Xenonlampen, deren Spektrum Tageslicht simuliert. Bewertet wird, wie stark ein Material im Laufe der Bestrahlung ausbleicht. Unser Standard Akustikstoff erreicht hier auf einer Skala von 1 bis 9 Werte von 4 bis 5. Der spinndüsengefärbte schwarze Akustikstoff schneidet sogar noch etwas besser ab. Das sind solide, für klassische Anwendungen im Innenraum solide und absolut praxisgerechte Ergebnisse. Im normalen Wohnumfeld, im Heimkino, Studio oder bei Lautsprecherbespannungen bleibt die Farbe über lange Zeit stabil.

Trotzdem ist es wichtig, die Grenzen ehrlich zu benennen. Unsere Lautsprecherstoffe wurden primär für Innenräume entwickelt. Dauerhafte Freibewitterung oder extreme UV-Exposition wird langfristig wie bei nahezu jedem Textil zu Ausbleichen und zu Materialschäden führen. Das betrifft insbesondere Anwendungen mit direkter und permanenter Sonneneinstrahlung. Ein typisches Beispiel sind Lautsprecherinstallationen auf Hutablagen im Auto. Dort entstehen im Sommer extrem hohe Temperaturen bei gleichzeitig intensiver UV Belastung. Für solche Anwendungen ist klassischer Lautsprecherstoff nur eingeschränkt geeignet, denn es muss insbesondere bei dunkleren Farben mit einem merklichen Verbleichen gerechnet werden. Das bedeutet nicht, dass der Stoff grundsätzlich ungeeignet wäre, aber es sollte helleren Farben, idealerweise Weiß, der Vorzug gegeben werden. Dunkle Lautsprecherstoffe müssen hingegen gelegentlich getauscht werden.
 

Chemische Sicherheit und das Thema Formaldehyd

Jeder von uns hat mehr als einmal erlebt, dass ein Kleidungsstück, das Futter eines Koffers oder eben auch ein Lautsprecherstoff beim Auspacken einen stechenden, intensiv unangenehmen Geruch verströmt, der im besten Fall nach einigen Tagen, im schlimmsten Fall nie verschwindet. Chemische Unbedenklichkeit ist daher ein wichtiges Thema, nicht nur bei Bekleidung, sondern vor allem auch bei technischen Textilien, die vornehmlich in Innenräumen eingesetzt werden.

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass diese Materialien keine gesundheitsschädlichen oder gefährlichen Substanzen an die Umgebung abgeben – ist es aber leider nicht. Die Zahl der in der Textilverarbeitung und -veredelung eingesetzten Chemikalien ist schier unendlich, und bei weitem nicht alle davon sind unproblematisch. Man denke beispielsweise an schwermetallhaltige Pigmente, aromatische und chlorierte Kohlenwasserstoffe oder Methanal, besser bekannt unter dem Trivialnamen Formaldehyd. Diese allergene und wahrscheinlich krebserregende Substanz spielt in zahlreichen industriellen Prozessen eine wichtige Rolle. Doch Formaldehyd muss noch nicht einmal im Herstellungsprozess eines Produkts selbst eingesetzt werden. Da es auch als Begasungsmittel für Frachtcontainer verwendet wird und als Industriechemikalie aus transportierten Produkten ausgasen kann, kann es sogar in eigentlich formaldehydfreie Garne und Textilien gelangen.

Umso wichtiger ist die Sicherheit, dass ein Lautsprecherstoff frei von solchen Chemikalien ist. Die Prüfung auf Formaldehyd erfolgt bei unseren Akustikstoffen nach der auch Exsikkator-Methode genannten , international weithin angewandten Japan-Methode gemäß der japanischen Norm JIS A 1460:2021. Das Ergebnis: alle unsere Stoffe sind formaldehydfrei. 
 Auch andere Schadstoffe finden sich in unseren Stoffe nicht, denn sie werden in Deutschland und Österreich unter Beachtung höchster Standards gefertigt. Unsere Partner erfüllen die strengen EU-Anforderungen, indem sie gemäß der Vorgaben der EU Produktsicherheitsverordnung (ProdSVO) umfassende Risikobewertungen und technische Dokumentationen vornehmen und entsprechend der EU-REACH-Verordnung ohne giftige, krebserregende oder allergieauslösende Chemikalien wie Azofarbstoffe arbeiten.
 

Warum all diese Werte keine Nebensache sind

Viele dieser Normen und Prüfungen wirken isoliert betrachtet erstaunlich unspektakulär – und keine entscheidet darüber, ob ein Lautsprecherstoff gute akustische Eigenschaften aufweist. Deshalb werden sie häufig zu Unrecht unterschätzt. Ein guter Lautsprecherstoff verhält sich eben nicht nur akustisch neutral. Er lässt sich auch sauber montieren, sieht dauerhaft ordentlich aus, hält den Belastungen des Alltags stand und birgt selbstverständlich keine ungeahnten Risiken.
Das Fazit von Teil 3 unserer Blog-Reihe zu Normen rund um Akustikstoff lautet daher: Am Ende entsteht Qualität aus dem Zusammenspiel vieler Eigenschaften. Ein Blick auf all die Prüfergebnisse, die zunächst eher wie Randnotizen wirken, lohnt sich daher vor jeder Kaufentscheidung.

Im nächsten Beitrag werden wir die Perspektive wechseln, um die Frage zu beantworten, wovor Akustikstoff aktiv schützen kann.